Körperverletzung

Vorwurf einfache Koerperverletzung, was § 223 StGB tatsaechlich verlangt

Der Tatbestand im Detail

§ 223 I StGB nennt zwei Tatbestandsvarianten: koerperliche Misshandlung und Gesundheitsschaedigung. Misshandlung ist jede uebel, unangemessene Behandlung, die das koerperliche Wohlbefinden nicht nur unerheblich beeintraechtigt. Gesundheitsschaedigung ist das Hervorrufen oder Steigern eines pathologischen Zustands, auch ohne sichtbare Verletzung. Beides erfordert Vorsatz, fahrlaessige Koerperverletzung ist eigener Tatbestand (§ 229 StGB).

Strafrahmen und Qualifikationen

TatbestandNormStrafrahmen
Einfache Koerperverletzung§ 223 StGBFreiheitsstrafe bis 5 Jahre oder Geldstrafe
Gefaehrliche Koerperverletzung§ 224 StGBFreiheitsstrafe 6 Monate bis 10 Jahre
Schwere Koerperverletzung§ 226 StGBFreiheitsstrafe 1 bis 10 Jahre
Koerperverletzung mit Todesfolge§ 227 StGBFreiheitsstrafe nicht unter 3 Jahren
Fahrlaessige Koerperverletzung§ 229 StGBFreiheitsstrafe bis 3 Jahre oder Geldstrafe

Strafantrag und oeffentliches Interesse

Die einfache Koerperverletzung ist ein Antragsdelikt (§ 230 StGB). Die Staatsanwaltschaft verfolgt sie nur, wenn der Verletzte binnen drei Monaten ab Kenntnis (§ 77b StGB) Strafantrag stellt, oder wenn ein besonderes oeffentliches Interesse besteht. Wird der Strafantrag bis zum Schluss der Hauptverhandlung zurueckgenommen (§ 77d StGB), endet das Verfahren regelmaessig mit Einstellung. Bei gefaehrlicher und schwerer Koerperverletzung gilt dagegen das Offizialprinzip: kein Antragserfordernis.

Verteidigungsansaetze

  • Notwehr (§ 32 StGB): gegenwaertiger rechtswidriger Angriff, erforderliche und gebotene Verteidigung; Beweislast praktisch beim Verteidiger.
  • Notwehrexzess (§ 33 StGB): Ueberschreitung in Verwirrung, Furcht oder Schrecken bleibt strafrechtlich ohne Konsequenz.
  • Einwilligung: bei Verletzungen, die nicht gegen die guten Sitten verstossen (§ 228 StGB); typisch Kontaktsport.
  • Fehlende Vorsaetzlichkeit: zur fahrlaessigen Koerperverletzung herunter argumentieren.
  • Belastungsanalyse: Widersprueche in der Aussage des Verletzten, Genese, Konsistenz, eventuell Aussagepsychologie.
  • Wiedergutmachung und Taeter-Opfer-Ausgleich (§ 46a StGB): oeffnet den Weg zu § 153a StPO oder erheblichen Strafmilderung.

Typische Verfahrensauggaenge

Die einfache Koerperverletzung endet in der Praxis oft mit Einstellung gegen Auflage (§ 153a StPO), mit Strafbefehl oder mit Geldstrafe in einer Hauptverhandlung. Freiheitsstrafen ohne Bewaehrung sind bei Ersttaetern selten und setzen besondere Umstaende voraus, einschlaegige Vorstrafen oder begleitende Delikte. Die Verteidigung verhandelt typischerweise mit der Staatsanwaltschaft ueber Diversion oder Strafbefehl, bevor es zur oeffentlichen Hauptverhandlung kommt.


FAQ

Häufige Fragen

Reicht eine Ohrfeige fuer eine Koerperverletzung?

Ja, eine Ohrfeige erfuellt regelmaessig den Tatbestand der koerperlichen Misshandlung. Auch ein Schubs kann genuegen, wenn das Wohlbefinden mehr als unerheblich beeintraechtigt wird.

Was, wenn ich nur zurueckgeschlagen habe?

Notwehr nach § 32 StGB ist eine vollwertige Verteidigung. Voraussetzung sind ein gegenwaertiger Angriff und eine erforderliche, gebotene Verteidigungshandlung. Die Akte muss diese Schilderung tragen, deshalb erst Schweigen, dann mit Anwalt einlassen.

Kann ich den Strafantrag selbst zuruecknehmen, wenn ich Geschaedigter bin?

Ja, bis zum rechtskraeftigen Verfahrensabschluss (§ 77d StGB). Die Staatsanwaltschaft kann aber wegen oeffentlichen Interesses weiter verfolgen, etwa bei haeuslicher Gewalt.

Was passiert bei haeuslicher Gewalt?

Hier wird das oeffentliche Interesse meist bejaht, eine Antragsruecknahme stoppt das Verfahren nicht zwingend. Schutzmassnahmen nach GewSchG laufen parallel.

Wird eine Verurteilung im Fuehrungszeugnis stehen?

Geldstrafe bis 90 Tagessaetze ohne weitere Eintragung wird nicht in das einfache Fuehrungszeugnis aufgenommen (§ 32 BZRG). Hoehere Strafen oder einschlaegige Voreintragungen werden vermerkt.

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